Die Unterrichtsstunde (Foto: WLB Esslingen)

 Die Unterrichtsstunde (Foto: WLB Esslingen)

 

Die Unterrichtsstunde

„Die Unterrichtsstunde“ von Eugene Ionesco

WLB Esslingen, Premiere: 8. November 2008

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Katja Bathon, Musik: Hendrik Vogel, Dramaturgie: Sandra Bringer

Mit: Ulf Deutscher, Anne Julia Koller, Ute Schramm

Er ist ein Universalgelehrter, der Professor in Ionescos „Unterrichtsstunde“. In seiner Wohnung empfängt der Gelehrte eine 18jährige Schülerin – seine 40. an diesem Tag. Die Abiturientin strebt ihren Universalen Doktortitel an – innerhalb von nur drei Wochen. Die Lektion beginnt und damit eine Sprachspirale um Wahrheit und Notwendigkeit, die letztlich nur den Tod als konsequenten Ausweg weist. Mit überschwänglicher Höflichkeit auf beiden Seiten schlagen Professor und Schülerin Allgemeinsätze über die Jahreszeiten und Geographie an. Die Arithmetik steigert ein Verlangen auf beiden Seiten. Hier nun scheiden sich Lehrer und Schülerin am gegenseitigen Verständnis und am Wissen. Addierte die Schülerin tadellos, ist es ihr nicht begreiflich, wie man 3 von 4 abziehen kann: „Es gibt keinerlei Einheiten zwischen drei und vier, Herr Professor. Vier kommt gleich nach drei.“ Als Korrektiv, als Intervention setzt sich das Dienstmädchen Marie in die Sender-Empfänger-Katastrophe zweier Menschen in unterschiedlichen Logikwelten. Bei der Vergleichenden Philologie kippt schließlich das Verhältnis der beiden in sein grausames Gegenteil. Der Professor rast, die Schülerin gibt (sich) auf. Dies ist in der Konsequenz Ionescos unausweichlich, denn mit einer Behandlung von Sprache als Macht- aber weniger eindeutigen Sinninstrument befindet er sich ganz in der Tradition der damals jungen Philosophie des Logischen Positivismus: „Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt (…). Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.“ (Ludwig Wittgenstein)