Verfahren (Foto: Heike Mondschein)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Heike Mondschein)

 Verfahren (Foto: Heike Mondschein)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Martin Kaufhold)

 Verfahren (Foto: Heike Mondschein)

Verfahren

Uraufführung von Kathrin Röggla

Koproduktion von Staatstheater Saarbrücken und Theater Rampe Stuttgart

Premiere in Saarbrücken: 2.4.22, Premiere in Stuttgart: 9.4.22

»Das Gericht schafft geordnete Zukunft, indem es mit der Vergangenheit aufräumt.«

Ein Raum. Ein Prozess. Ein Erwartungsdruck. Ein Erwartungs-Ruck – Kathrin Röggla bringt nicht weniger als den Jahrhundertprozess um den NSU auf die Bühne. Als literarisch geraffte Langzeitbelichtung einer Zusammenkunft, die in 438 Runden stattfand und nun zu einem 5-Akt-Ereignis verschmilzt. Eine theatral angeordnete Wahrheitssuche, bei der die Zuschauerschaft dem Ablauf des Gerichtsballetts beiwohnt, zu Haltung und Wachheit aufgefordert, gleich einer Richterschaft.

Rögglas Figuren tun vor allem eines: Warten. Warten auf die Richter, die Opfer, die Zeugen, warten auf das Exemplum, auf ein Ende des NSU, auf einen Kahlschlag gegen Rechts, auf Gründe und Gerechtigkeit. Mit dem Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund – seine Morde, seine Mordversuche und damit zusammenhängende Delikte – sind im Stück, wie auch in der Wirklichkeit dazumal, große Erwartungen an den Rechtstaat verbunden gewesen. Als das Urteil am 11.7.2018 gefällt wurde, gingen die Einschätzungen unter Experten, Bürgern und Opfern weit auseinander – Wirklichkeit und Fiktion fragen beide: Ist genug erreicht worden?

Die Schriftstellerin und Dramatikerin Kathrin Röggla kondensiert den fünf Jahre währenden Prozess als literarische Zeitzeugin für uns in ein Theaterformat, als inszenierte, einer Detailflut folgenden Fragenrunde zum Thema, was Recht innerhalb des heutigen Gesellschaftsvertrags leisten kann.

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Heike Mondschein, Musik: Kat Kaufmann, Choreografie: Bahar Meriç, Dramaturgie: Bettina Schuster- Gäb

Mit: Florence Adjidome, Alexander Ebeert, Burak Hoffmann, Anne Rieckhof, Martina Struppek, Raimund Widra

Weitere Vorstellungen:

Zur Website des Staatstheater Saarland

Zur Website des Theater Rampe

Presse:

„Politisches Theater der Extraklasse“
Swantje Kubillus schreibt in der Stuttgarter Zeitung: „Im Grunde liegt es nahe, den NSU-Prozess auf die Bühne zu bringen – als Gerichtstheater, als Besichtigung sozialer Wunden, als Schau auf den Rechtsstaat, der so klein sei, dass er zwischen zwei Buchdeckeln namens Grundgesetz passe, wie es da heißt. Kontroverse, Kontroverse!
Marie Bues inszeniert im Theater Rampe in Stuttgart mit Kathrin Rögglas „Verfahren“ ein Stück, das die grundlegende Frage nach Recht und Gerechtigkeit in einer Demokratie stellt.
[…] Ein voluminöses Brautkleid wird zur Richterrobe; Stufen und Abgänge zeigen unterschiedliche Standpunkte auf. Auch wenn der Raum gegen Ende in Nebelschwaden taucht, als könne es keine Klarheit geben, ist „Verfahren“ ein Plädoyer für Rechtsstaatlichkeit. Röggla schafft es, die Komplexität zu sortieren, pointiert auf den Punkt zu bringen. Theaterfreude pur.“

Zum Artikel in der Stuttgarter Zeitung

»Der ›Ge­richtso­pa‹ hin­ge­gen ent­puppt sich als lang­jäh­ri­ger Pro­fi im Zu­gu­cken schon seit den RAF-Pro­zes­sen und als gro­ßer Schwa­dro­nie­rer, den Alex­an­der Ebeert mit herr­lich sat­tem Ton­fall Pseu­do-Ge­wiss­hei­ten en gros von sich ge­ben lässt. Die ›Ge­richtso­ma‹, die Mar­ti­na Strup­pek köst­lich emo­tio­nal auf­kratzt, er­götzt sich auch an den Ri­tua­len des Ge­richts.«

Saarbrücker Zeitung, 04. April 2022, Oliver Schwambach:

»Kathrin Röggla geht nun in ihrem Drama ›Verfahren‹, das just in einer Kooperation mit dem Theater ›Rampe‹ in Stuttgart am Saarländischen Staatstheater uraufgeführt wurde, auf etwas mehr Distanz zum Geschehen und richtet ihren Blick vor allem auf das Publikum des NSU-Prozesses. Allesamt mit skurrilen Kostümen ausgestattet, finden sich darunter die Stereotypen ›Gerichtsoma‹ (Martina Struppek) samt ›Gerichtsopa‹ (Alexander Ebeert), die ›Frau von der türkischen Botschaft‹ (Anne Rieckhof), ein ›sogenannter Ausländer‹ (Raimund Widra), der ›Kollege Strafverteidiger‹ (Burak Hoffmann) sowie die linksalternative ›Blogger*in‹ (Silvio Kretschmer) und die ›Gerichtsdienerin‹ (Florence Adjidome). Was diese bunte Truppe natürlich mitbringt, sind heterogene Perspektiven auf den langwierigen Strafprozess.« Mehr lesen …

Die Deutsche Bühne, 3. April 2022, Björn Hayer:

»Bues inszeniert ›Verfahren‹ auf einer unschuldsweißen Bühne und mit einer skurrilen Figurensammlung. Das Ensemble spielt durchweg stark. Adjidome gewinnt das Publikum mit ihrer Exaltiertheit.« Mehr lesen …

Theater heute, Juni -Ausgabe 22, Natalie Bloch:

Regisseurin Marie Bues greift mit kräftigem Konzwpt zu und rollt eine ganze artifizielle Bildebene bar jeder Referenz aus, die dem Text gut bekommt. Statt erkennbarer Verteter:innen bestimmter Milieus ordnet sie schrille Vögel in karnevalesken Kostümen auf einer an den Vorplatz eines Gerichts erinnernden Empore an. (..) Mitunter schälen sich skurille kleines szenen heraus. Anne Rieckhofs trotz pinkfarbener Puffärmel und blonder Prinz Eisenherz Perücke mausgrau vrzagte „Frau von der Botschaft“ hält sich für eine krasse Fehlbesetzung und scheitert in verzweifelt komischen Hin und Her mit der Saaltür daran, aus dem Geschehen auszusteigen. (..) Insgesamt ist der Abend eine anstrengende, aber auch anregende Herausforderung, aus der man sich besonders eine Frage mitnehmen kann: Was erwarten wir eigentlich vom Gericht?“

(Nennung zur Nominierung im Jahrbuch Theater heute 2022 für Anne Rieckhof zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres)

saartext, 4. April 2022, Oliver Sandmeyer

»Diese Uraufführung in Koproduktion mit dem Theater Rampe, Stuttgart, ist ein Bravourstück des aktuellen politischen Theaters. Wer bei „ Verfahren“, einer Auftragsarbeit des Staatstheaters an Katrin Röggla, eine hölzerne, juridisch fundierte Bestandsaufnahme und Kritik des NSU-Prozesses erwartete, wurde gründlich (positiv) enttäuscht. Was am Samstagabend in der Alten Feuerwache in der vortrefflichen Inszenierung von Marie Bues über die Bühne ging, war eine bitterböse Parodie auf die Art und Weise, wie einer der längsten und umfänglichsten Strafrechtsprozesse in der Öffentlichkeit wahrgenommen und von den Medien rezipiert wurde.« Mehr lesen …

OPUS Magazin, 4. April 2022, Kurt Bohr

»Es gibt wenig Spielerisches auf der Bühne, viel Abstraktion, viel Plädoyer, kurzum: viel Text.Doch der ist eben auch pointiert, präzise und auch voller komischer Elemente.Das Ensemble unter der Regie von Marie Bues versteht es, diese herauszuarbeiten, den drohenden Stillstand in diesem Verfahren dadurch abzuwenden durch bisweilen heiteres Spiel mit diesem Ernst der Thematik.« Mehr hören …

SR3 Saarlandwelle Region am Sonntag, Jochen Erdmenger, 3. April 2022