Kaspar Häuser Meer (Foto: Landestheater Schleswig Holstein)

 Kaspar Häuser Meer (Foto: Indra Nauck)

 Kaspar Häuser Meer (Foto: Landestheater Schleswig Holstein)

 Kaspar Häuser Meer (Foto: Indra Nauck)

 Kaspar Häuser Meer (Foto: Indra Nauck)

 Warteraum Zukunft (Foto: Indra Nauck)

Kaspar Häuser Meer

„Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller

Schleswig Holsteinisches Landestheater, Premiere: 10.09.11

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Indra Nauck, Dramaturgie: Andreas Strähnz

Mit: Andrea Beckmann, Manuel Jadue, Ingeborg Losch

Zu viele Familien, zu viele Akten, zu wenig Zeit. So sieht der tragische Jugendamt-Alltag aus. Wenn die Sozialarbeiter an ihre Arbeit, an die übervollen, nicht zu bewältigenden Aktenberge auch nur denken, werden sie kurzatmig, hektisch bis hin zu hysterisch. Von einer bedachten Bearbeitung der prekären Fälle von Kindesmisshandlung kann in diesem deutschen Jugendamt nicht die Rede sein. Dem menschlichen Leid außerhalb der Sozialeinrichtung ist nicht mehr beizukommen – aber auch innerhalb der Bürowände wird gelitten: Der Fachhochschul-Frischling Annika scheitert an den eigenen idealistischen Ansprüchen und der Überforderung als alleinerziehende Mutter, Barbara hat die Selbstansprüche längst über Bord geworfen und Silvia versucht die Desillusion mit Hilfe von „Freund“ Alkohol noch ein wenig vor sich her zu schieben. Und dann wird auch noch Björn krank: Björn-out-Syndrom – na prima!

Was die besondere Qualität dieses mehrfach ausgezeichneten Sozialdramas über Sozialdramen ausmacht, sind Zellers preschenden Dialoge und ihr leichter und höchst witziger Sprachgebrauch bei einem Thema wie es die Überforderung in Kinderrechtsfragen darstellt. Felicia Zeller schaut in ihrer direkten Weise hinter die schnelle Erklärungsmasche „ignorante Gesellschaft“ und legt das wahre Übel frei: die Überforderung des Sozialstaats, die diejenige des Einzelnen ist.

Presse:

 „Die junge Regisseurin Marie Bues hat sich nicht beirren lassen. Sie hat in Basel gelernt, danach zeitgenössische Stücke in Osnabrück, Göttingen oder Plauen inszeniert. Kompromisslos tischt sie Felicia Zellers Textfläche hier so auf, als wäre man nicht in der Provinz, sondern auf dem Stückemarkt des Berliner Theatertreffens. Da es innerhalb der Figuren keine Entwicklung gibt, schafft Regisseurin Bues so viel Abwechslung wie möglich bei den Schauplätzen und in der Präsentationsform.“ Nachtkritik

„Komisch und schrecklich zugleich: Marie Bues trifft in ihrer temporeichen Inszenierung für die Kammerspiele des Landestheaters den richtigen Ton. Gemeinsam mit Ausstatterin Indra Nauck hat sei Bilder gefunden die das Dilemma auf den Punkt bringen. Lachen ist erlaubt in dieser klugen Inszenierung und bleibt doch im Halse stecken. Hochverdienter Premierenapplaus.“ Flensburger Tageblatt

„Die junge Regisseurin Marie Bues springt auf den rasenden Zug beherzt auf und lenkt ihre Figuren dabei mit bemerkenswerter Konsequenz durch einen oft hypertrophen Bühnenrap. Ein fesselndes Stück satirisch- psychologischen Theaters, das frontal trifft und wach macht.“ Kieler Nachrichten