Premieren

Die nicht geregnet werden

Uraufführung von Maria Ursprung

Schwimmbadbetreiberin Berit bekommt nach behobenem Defekt keinen Zugang zu neuem Wasser, um das Becken wieder aufzufüllen – jedenfalls nicht für den Preis von früher. Erst hält sie es für eine Schikane, doch als die Wasserhähne der ganzen Stadt streiken, wird ihr das Ausmass der Trockenheit bedrohlich bewusst.
Maria Ursprung schrieb dieses Stück als Auftragswerk im Rahmen des Stück Labors für das Theater St.Gallen. Sie zeichnet eine Welt, in der die Figuren die Kontrolle über ihren Alltag verlieren, indem sie ihnen die natürlichste und elementarste Ressource entzieht. Wasserhandel gilt als unmoralisch, weil Wasser Leben bedeutet. Aber gibt nicht erst diese Voraussetzung den Antrieb, für etwas Unersetzbares einen entsprechenden Preis zu verlangen? Sie stellt dabei die Frage, ob Menschen anfangen, Wasser als endlich zu betrachten und zu sparen, wenn es seinen Preis hat – spürt man es in der Geldbörse, wird es wertvoll? Muss man es sich verdienen, einen Tropfen abzubekommen?

Regie: Marie Bues und Jonas Knecht, Ausstattung: Indra Nauck, Musik: Albrecht Ziepert, Dramaturgie: Armin Breidenbach, Regieassistenz: Maren Watermann

Mit: Birgit Bücker, Anna Blumer, Tobias Graupner, Grazia Pergoletti, Pascale Pfeuti, Julius Schröder

Premiere: 25.5.22. Theater St. Gallen
Weitere Vorstellungen: 1.,7.,9.,12.,14.,17.,21.6.

“was zündet, was brennt”, Uraufführung von Magdalena Schrefel

Im Untergrund Europas entspannt sich ein verzweigtes Kreislaufsystem des Erdöls. Wie Lebensadern durchziehen Pipelines den Kontinent und befeuern unseren Hunger nach Energie. Trotz aller Bemühungen ist die globale Förderung von Erdöl in den letzten fünfzig Jahren kontinuierlich gestiegen. Nichts, so scheint es, kann den katastrophalen Kreislauf stoppen.

„was zündet, was brennt“ handelt von zwei jungen Frauen, die es trotzdem versuchen. Das Stück ist das Ergebnis einer Kooperation mit der European Theatre Convention, bei der unter dem Titel „Pipelines“ fünf Autor*innen aus der Perspektive fünf unterschiedlicher Mitgliedstaaten Stücke zum Drama fossiler Energien entwickeln. Die Kleist-Förderpreisträgerin Magdalena Schrefel hat den österreichischen Part übernommen und ein theatrales Roadmovie entlang der Adria-Wien-Pipeline entworfen. Es zeigt die Reise seiner beiden Heldinnen quer durch Österreich und die unendlichen Weiten des Internets und beschreibt ihre Begegnung mit Klimaaktivist*innen, verschiedenen exzentrischen Gestalten des fossilen Zeitalters und ihre Radikalisierung: Wie kann man mit erzählerischen Mitteln eine Pipeline in die Luft jagen? Im Hintergrund steht die Frage nach der sprachlichen Dimension der Klimadebatte und die Suche nach dem neuen Narrativ für eine andere Zukunft.

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Pia Maria Mackert
Video: Grigory Shklyar, Dramaturgie: Franziska Betz, Musik: Johannes Frick, Regieassistenz: Sebastian Klinser

Mit: Lisa Birke Balzer, Katrija Lehmann, Nico Link, Lukas Walcher

Premiere am 12.1.22 am Schauspielhaus Graz
Weitere Vorstellungen: 10.,16.5., sowie im Rahmen der Dramatiker:innentage am 10.6.22

“Klimatrilogie: paradies fluten/paradies hungern/paradies spielen” von Thomas Köck

Unsere Erde nach der Apokalypse: Willkommen in der Zukunft! Wesen steigen aus gelandeten Kapseln. Sind es die Götter, die sich anschauen wollen, welchen unwiderruflichen Schaden der Mensch auf der Erde hinterlassen hat? Cyborgs? Oder die letzten Menschen? Was sie sehen: die Erde als Ruine. Wie konnte es zu dieser maßlosen Vernichtung kommen? Um zu verstehen, was hier passiert ist, tragen sie wie Archäolog:innen Schicht für Schicht der zerstörten Landschaften ab. Immer mehr Bruchstücke verloren gegangener Erinnerungen legen sie dabei frei. Sie erzählen von Menschen, die sich bis zum Kollaps genommen haben, was sie wollten, und dabei nicht nur das Klima als System zum Einsturz brachten, sondern auch unweigerlich sich selbst und ihre Mitmenschen. Klimatrilogie ist eine exzessive Spurensuche. Der Planet Erde als Black Box: Sie vergisst nichts, und wir Lebenden müssen nur genau lesen, um zu verstehen, warum die ökologische Zerstörung unserer Erde auch immer soziale Erosionen nach sich zieht.
Seit 2016 hat der Dramatiker Thomas Köck drei Stücke geschrieben, die sich tiefbohrend mit dem Verhältnis von Kolonialismus, Kapitalismus und Natur auseinandersetzen: paradies fluten, paradies hungern und paradies spielen.
Die Regisseurin Marie Bues setzt diese Stücke miteinander in Beziehung und formt sie zu einem Panorama über Gier, Macht, die Sehnsucht nach Verbindung und die nie schwindende Hoffnung auf einen Neuanfang nach der Katastrophe.

Regie: Marie Bues, Bühne: Heike Mondschein, Kostüme: Amit Epstein, Dramaturgie: Mazlum Nergiz, Musik: Johannes Frick, Choreographie: Bahar Meriç

Mit: Bernhard Conrad, Tabitha Frehner, Johannes Frick, Alrun Hofert, Caroline Junghanns, Birte Leest,  Kaspar Locher, Nicolas Matthews, Alban Mondschein, Amelle Schwerk

Zur Website des Staatstheater Hannover

 

ab 9.10.21 am Staatstheater Hannover
Nächste Vorstellungen: 25.5. (letzte Vorstellung)

“Verfahren”

Uraufführung von Kathrin Röggla

»Das Gericht schafft geordnete Zukunft, indem es mit der Vergangenheit aufräumt.«

Ein Raum. Ein Prozess. Ein Erwartungsdruck. Ein Erwartungs-Ruck – Kathrin Röggla bringt nicht weniger als den Jahrhundertprozess um den NSU auf die Bühne. Als literarisch geraffte Langzeitbelichtung einer Zusammenkunft, die in 438 Runden stattfand und nun zu einem 5-Akt-Ereignis verschmilzt. Eine theatral angeordnete Wahrheitssuche, bei der die Zuschauerschaft dem Ablauf des Gerichtsballetts beiwohnt. Rögglas Figuren tun vor allem eines: Warten. Warten auf die Richter, die Opfer, die Zeugen, warten auf das Exemplum, auf ein Ende des NSU, auf einen Kahlschlag gegen Rechts, auf Gründe und Gerechtigkeit. Mit dem Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund – seine Morde, seine Mordversuche und damit zusammenhängende Delikte – sind im Stück, wie auch in der Wirklichkeit dazumal, große Erwartungen an den Rechtstaat verbunden gewesen. Als das Urteil am 11.7.2018 gefällt wurde, gingen die Einschätzungen unter Experten, Bürgern und Opfern weit auseinander – Wirklichkeit und Fiktion fragen beide: Ist genug erreicht worden?

Die Schriftstellerin und Dramatikerin Kathrin Röggla kondensiert den fünf Jahre währenden Prozess als literarische Zeitzeugin für uns in ein Theaterformat, als inszenierte, einer Detailflut folgenden Fragenrunde zum Thema, was Recht innerhalb des heutigen Gesellschaftsvertrags leisten kann.

Eine Koproduktion von Staatstheater Saarbrücken und Theater Rampe Stuttgart

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Heike Mondschein, Choreografie: Bahar Meriç, Musik: Kat Kaufmann, Dramaturgie: Bettina Schuster- Gäb, Regieassistenz: Gesa Ötting/Alexander Hanauer

Mit: Martina Struppek, Alexander Ebeert, Anne Rieckhof, Raimund Widra, Burak Hoffmann, Florence Adjidome, Silvio Kretschmer

https://www.staatstheater.saarland/stuecke/schauspiel/detail/verfahren

 

Premiere am 2.4.22 am Staatstheater Saarbrücken (weitere Vorstellungen am Staatstheater Saarbrücken: 24.6.,2.7.)
Premiere am Theater Rampe Stuttgart am 9.4.22 (weitere Vorstellungen am Theater Rampe: 8.6.,9.6.,11.6.)