Premieren

“Bataillon”

Von Enis Maci

Uraufführung

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Heike Mondschein, Musik: Christine Hasler, Dramaturgie: Anna- Sophie Güther

Mit: Sophie Arbeiter, Annemarie Brüntjen, Johanna Eiworth, Otiti Engelhardt, Carina Thurner

Ein Hochhaus steht verloren im Niemandsland, Flechten wuchern an den Betonkanten des Gebäudes, in dessen Innerem eine ganze Welt zusammenkommt: Im Keller sitzen Weberinnen und arbeiten an Tarnumhängen aus Kartoffelsäcken, Lumpen, Fischernetzen für einen Krieg, der viele Schauplätze hat: den Balkankrieg etwa, den Krieg in Syrien oder auch den Körper der Frau. Im Friseursalon ein paar Stockwerke höher schäumt Monica Lewinsky einer Fremden, die bald hier einziehen wird, den Kopf ein. Ada Lovelace, die britische Mathematikerin, die als erste Programmiererin bezeichnet wurde, kommt vorbei, Elisabeth Mann Borgese, aber auch Penelope, die Frau des berühmten Odysseus‘. Eine Greisin putzt ihr Gewehr. Zwei Kühlschränke kommunizieren miteinander. Die Ränder der Gegenstände verformen sich. Da sind Erinnerungen – wem gehören sie?

https://www.nationaltheater-mannheim.de/de/schauspiel/stueck_details.php?SID=3509

Enis Maci, Hausautorin der Spielzeit 2018/19 und »Nachwuchsdramatikerin« der Jahre 2018 sowie 2019 (»Theater Heute«), entwirft in ihrem Auftragswerk für das NTM eine postapokalyptische Zukunftsvision, deren einzelnen Geschichten kunstvoll miteinander verwoben sind. Mit einem Panorama von ausschließlich weiblichen Stimmen, die dem antiken Mythos ebenso entspringen wie unserer aktuellen Lebenswelt, entwickelt sie einen Gegenentwurf zur vorrangig männlichen Geschichtsschreibung.

Die Regisseurin Marie Bues setzt mit dieser Arbeit ihre konsequente Beschäftigung mit Gegenwartsdramatik nach Inszenierungen u. a. in Basel, Stuttgart und München fort. Seit 2013 leitet sie gemeinsam mit Martina Grohmann das Theater Rampe in Stuttgart.

#stadtderzukunft #neuedramatik #erntenwasmansät #hausautorin2018/19

Premiere am 24.1.20
Nationaltheater Mannheim
Weitere Vorstellungen:
30.1.,9.2.,22.2.

“Antigone. Ein Requiem”

von Thomas Köck nach Sophokles

Uraufführung

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Pia Maria Mackert, Musik und Video: Kat Kaufmann, Chorleitung: Stefan Kolosko, Dramaturgie: Mazlum Nergiz

Mit: Sabrina Ceesay, Bernhard Conrad, Alrun Hofert, Stefan Kolosko, Lucia Kotikova, Kasper Locher, Mark Tumba und einem Chor

Wenige Figuren der Antike rufen heute noch so viel Empathie und Fassungslosigkeit zugleich hervor wie Antigone. Im Kampf gegen König Kreon überschreitet sie – um ihrer Moral gerecht zu werden – das Gesetz: Sie besteht darauf, ihren Bruder Polyneikes zu beerdigen. Er und sein Bruder Eteokles haben sich im Kampf um die Thronfolge der Stadt Theben abgeschlachtet, Polyneikes auf der Seite der Feinde Thebens. König Kreon verbietet jedoch denen, die sich gegen die Stadt erhoben haben, das Begräbnis. Antigone aber begräbt den Körper ihres Bruders und lässt dabei seine Taten genauso wie die Konsequenzen ihrer eigenen außer Acht.
Der 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnete Autor Thomas Köck wird diesen Mythos in einem Auftragswerk für das Schauspiel Hannover einer Revision unterziehen. Dabei nimmt er die Frage nach den Lücken unserer sozialen Wahrnehmung in den Blick, wenn wir handeln als gäbe es keine Alternativen.
Nicht das Prinzip Verwandtschaft steht bei Köck im Zentrum, sondern die beunruhigende Grenze innerhalb jeder Gemeinschaft, die der Umgang mit den Toten aufzeigt: Wer erhält das Recht, begraben und betrauert zu werden?
Die Regisseurin Marie Bues verhandelt die Frage nach der Krankheit des öffentlichen und privaten Handelns. Auf die Figuren, die nicht mehr kommunizieren können, lässt sie einen Chor von Hannoveraner Bürger*innen prallen, die spiegeln und befragen: Wem gehören die Toten?

https://www.staatstheater-hannover.de/de_DE/programm-schauspiel/antigone-ein-requiem.1224768

26.10.19, Premiere am Staatstheater Hannover
Weitere Vorstellungen:
20.1./26.1.