Premieren

Haus der Antikörper

Eine Koproduktion von Theater Rampe, Theater Lübeck und Backsteinhaus Produktion

Regie: Nicki Liszta und Marie Bues, Musik: Heiko Giering, Ausstattung: Annatina Huwiler, Dramaturgie: Martina Grohmann

Texte von Nicki Liszta und Ensemble,
sowie mit einer Uraufführung von Natascha Gangl

Die Körper sind in Aufruhr, der Organismus kollabiert: Für einen Moment steht das Herz still, hält der Atem an, setzt die Zeit aus, bevor die Reanimation beginnt. Auf fünf Simultanbühnen breitet sich das HAUS DER ANTIKÖRPER als wabernder Organismus aus. Ein Konzert gibt den musikalischen Pulsschlag vor, zu dem die Körper der Tänzer*innen in ihren Räumen bzw. Organen rebellieren. Ein Virus grassiert, Biografien lösen sich auf, Lebensmodelle verwandeln sich und das feste Gefüge gerät aus dem Lot.

Untot zu sein, ist längst ein Privileg. Im Haus der Antikörper ist es in den Kreislauf des Lebens eingeschlossen. Dank Forschung, Wissenschaft und Social Media Engineering verbindet sich die nächste Generation mit dem Anderen – sei es Geschlecht, Maschine, Tier oder Pflanze. Transfusionen gehen im großen Stil kontrolliert und hygienisch vonstatten. Das Blut zirkuliert in globalen Handelsströmen.

Der Mensch in der sogenannten westlichen Welt ist infiziert mit dem vampirischen Virus, resistent führt er das zähe Leben der Untoten immer weiter. Die alten Legenden und schaurigen Gerüchte von den Wiedergängern sind auserzählt, die dunkle Zeit der blutverschmierten Mäuler ausgeleuchtet und abgelaufen, der archaische Holzpflock aussortiert und umfunktioniert. Von Murnaus »Nosferatu« bleibt eine Symphonie des Grauens, ein Tanz der Vampir*innen.

Haus der Antikörper

http://www.theaterluebeck.de/index.php?seid=4&St_ID=1260

Nicki Liszta, Marie Bues und Heiko Giering inszenieren mit gemeinsam mit Tänzer*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen einen Parcours durch das Innere des Körpers, ein organisches Gefüge von Arbeit, Familie, Krankheit, Konflikt und Erneuerung. Der zweite Teil von DAS PRINZIP NOSFERATU von backsteinhaus produktion, Theater Lübeck und Theater Rampe ist gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

 

 

Online Stream Premiere:
Coming soon on
www.theaterrampe.de

“Bataillon”

Von Enis Maci

Uraufführung

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Heike Mondschein, Musik: Christine Hasler, Dramaturgie: Anna- Sophie Güther

Mit: Sophie Arbeiter, Annemarie Brüntjen, Johanna Eiworth, Otiti Engelhardt, Carina Thurner

Ein Hochhaus steht verloren im Niemandsland, Flechten wuchern an den Betonkanten des Gebäudes, in dessen Innerem eine ganze Welt zusammenkommt: Im Keller sitzen Weberinnen und arbeiten an Tarnumhängen aus Kartoffelsäcken, Lumpen, Fischernetzen für einen Krieg, der viele Schauplätze hat: den Balkankrieg etwa, den Krieg in Syrien oder auch den Körper der Frau. Im Friseursalon ein paar Stockwerke höher schäumt Monica Lewinsky einer Fremden, die bald hier einziehen wird, den Kopf ein. Ada Lovelace, die britische Mathematikerin, die als erste Programmiererin bezeichnet wurde, kommt vorbei, Elisabeth Mann Borgese, aber auch Penelope, die Frau des berühmten Odysseus‘. Eine Greisin putzt ihr Gewehr. Zwei Kühlschränke kommunizieren miteinander. Die Ränder der Gegenstände verformen sich. Da sind Erinnerungen – wem gehören sie?

https://www.nationaltheater-mannheim.de/de/schauspiel/stueck_details.php?SID=3509

Enis Maci, Hausautorin der Spielzeit 2018/19 und »Nachwuchsdramatikerin« der Jahre 2018 sowie 2019 (»Theater Heute«), entwirft in ihrem Auftragswerk für das NTM eine postapokalyptische Zukunftsvision, deren einzelnen Geschichten kunstvoll miteinander verwoben sind. Mit einem Panorama von ausschließlich weiblichen Stimmen, die dem antiken Mythos ebenso entspringen wie unserer aktuellen Lebenswelt, entwickelt sie einen Gegenentwurf zur vorrangig männlichen Geschichtsschreibung.

Die Regisseurin Marie Bues setzt mit dieser Arbeit ihre konsequente Beschäftigung mit Gegenwartsdramatik nach Inszenierungen u. a. in Basel, Stuttgart und München fort. Seit 2013 leitet sie gemeinsam mit Martina Grohmann das Theater Rampe in Stuttgart.

#stadtderzukunft #neuedramatik #erntenwasmansät #hausautorin2018/19

Premiere am 24.1.20
Nationaltheater Mannheim
Weitere Vorstellungen ab 19.4. unter:
www.nationaltheater-mannheim.de

“Antigone. Ein Requiem”

von Thomas Köck nach Sophokles

Uraufführung

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Pia Maria Mackert, Musik und Video: Kat Kaufmann, Chorleitung: Stefan Kolosko, Dramaturgie: Mazlum Nergiz

Mit: Sabrina Ceesay, Bernhard Conrad, Alrun Hofert, Stefan Kolosko, Lucia Kotikova, Kasper Locher, Mark Tumba und einem Chor

Wenige Figuren der Antike rufen heute noch so viel Empathie und Fassungslosigkeit zugleich hervor wie Antigone. Im Kampf gegen König Kreon überschreitet sie – um ihrer Moral gerecht zu werden – das Gesetz: Sie besteht darauf, ihren Bruder Polyneikes zu beerdigen. Er und sein Bruder Eteokles haben sich im Kampf um die Thronfolge der Stadt Theben abgeschlachtet, Polyneikes auf der Seite der Feinde Thebens. König Kreon verbietet jedoch denen, die sich gegen die Stadt erhoben haben, das Begräbnis. Antigone aber begräbt den Körper ihres Bruders und lässt dabei seine Taten genauso wie die Konsequenzen ihrer eigenen außer Acht.
Der 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnete Autor Thomas Köck wird diesen Mythos in einem Auftragswerk für das Schauspiel Hannover einer Revision unterziehen. Dabei nimmt er die Frage nach den Lücken unserer sozialen Wahrnehmung in den Blick, wenn wir handeln als gäbe es keine Alternativen.
Nicht das Prinzip Verwandtschaft steht bei Köck im Zentrum, sondern die beunruhigende Grenze innerhalb jeder Gemeinschaft, die der Umgang mit den Toten aufzeigt: Wer erhält das Recht, begraben und betrauert zu werden?
Die Regisseurin Marie Bues verhandelt die Frage nach der Krankheit des öffentlichen und privaten Handelns. Auf die Figuren, die nicht mehr kommunizieren können, lässt sie einen Chor von Hannoveraner Bürger*innen prallen, die spiegeln und befragen: Wem gehören die Toten?

https://www.staatstheater-hannover.de/de_DE/programm-schauspiel/antigone-ein-requiem.1224768

26.10.19, Premiere am Staatstheater Hannover
Weitere Vorstellungen ab 19.4.:
www.staatstheater-hannover.de