Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Alexander Wunsch)

 Who run the world (Foto: Marie Bues)

 Who run the world (Foto: Marie Bues)

Who run the world

„Who run the world: Das Evangelium nach Maria / Die Apokalypse nach Lilith“ von Nicoleta Esinencu

Eine Koproduktion von Theater Rampe, Stadt der Frauen Festival, Kulturamt Esslingen, Teatru Spalatorie und WLB Esslingen, Uraufführung

Premiere: 28.9.18

Was tun? Am Anfang war das Wort, und das Wort war die Bibel, und die Bibel wurde Propaganda, und die Propaganda wurde Maschine. Nicoleta Esinencus Stück bedient sich der besten Propaganda, die jemals geschrieben wurde: der Bibel – um daraus eine eigene Propaganda zu entwickeln, die Frauen* mobilisiert gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Adam wird gestürzt, Jesus übertrumpft und Gott ersetzt. Mit Maria Magdalena und Lilith feiert der Text zwei Dissident*innen der Bibel.Sie eignen sich Anfang und Ende, Evangelium und Apokalypse an, fahren in den Himmel auf und kehren als das Jüngste Gericht wieder, sind strafende, erlösende, zornige und barmherzige Göttinnen. Mag das Testament, das sie aufsetzen, auch in manchem bekannt klingen – doch es lautet völlig anders.

Neben Maria Magdalena und Lilith erzählen Frauen aus verschiedenen Generationen, Kulturen und Klassen, Frauen aus den Kampfzonen des Patriarchats. Zugleich mit dieser revoltierenden Kampfschrift entsteht also eine Gegenerzählung, eine neue Narration, die zu einem Urtext einer Stadt oder sogar Welt der Frauen* wird.

Gemeinsam mit Regisseurin Marie Bues inszeniert Nicoleta Esinencu die Uraufführung ihres Textes mit einem deutsch/israelisch/ griechisch/moldawischen Ensemble.

In rumänischer, englischer und deutscher Sprache.
Mit deutschen Übertiteln.

Regie „Das Evangelium nach Maria“: Nicoleta Esinencu

Mit : Doriana Talmazan, Kira Seminov, Dramaturgie / Produktionsleitung: Nora Dorogan

Regie „Die Apokalypse nach Lilith“: Marie Bues

Ausstattung: Maike Storf

Mit: Niko Eleftheriadis und Sivan Ben Yishai, sowie dem Chor Liederlust Mettingen

Trailer: https://drive.google.com/file/d/1j4serpjXqv2PqGrQ4hO5RPOkoYA1QJMs/view

Who run the world: Das Evangelium nach Maria / Die Apokalypse nach Lilith

Presse:

„Atemlos hören die Zuschauer die radikale Umdeutung der Bibel – von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Nieder gang aus konsequent feministischer Sicht. Nicoleta Esinencu ist es selbst, die auf der abgedunkelten Bühne am blau angeleuchteten Lesepult ihre grandiose Analyse bisheriger Machtver hältnisse ins Publikum schleudert. „Und weil der Mann die Macht so sehr liebte/wollte er, dass nur er/in der Bibel vorkäme/in der Kirche/in der Geschichte“, zitiert Esinencu aus Kapitel 10. Ihr zur Seite, an einem zweiten Lesepult, steht der Soundkünstler Kira Semionov. Auch er bannt das Publikum mit sprachlichem Metrum und Textmelodie. Esinencu trägt Kontaktmikrofone und er zeugt mit ihnen quälend schabende Geräusche, wenn sie in Kapitel 18 („Das Abendmahl“) zitiert: „Nehmt, esst/Dieses Brot ist unser gedemütigter Leib/Nehmt, esst/Dieses Brot ist unser verkaufter Leib/Nehmt, esst/Dieses Brot ist unser vergewaltigter Körper . . .“ Angesichts der Wucht ihrer Worte wirkt die aktuelle Metoo-Debatte geradezu schal.

Dem ersten, durchrhythmisierten Part folgt nach der Pause ein eher freier Teil. Maike Storf hat dafür eine Varieté-Bühne kreiert, auf der der Chor „Lieder lust Mettingen“ den Song „I’am a Hero“ schmettert. Dann liefern sich Sivan Ben Yishai, Autorin und Theaterregisseurin, und Niko Eleftheriadis ein teils ironisches Wortduell. Seit Jahr zehnten von der Politik nicht eingelöste Forderungen bekommen apokalyptische Dimensionen: „Wer Ohren hat, der höre!/würde die Hausfrauenarbeit bezahlt, läge der Mann am Boden/würde die Hausfrauenarbeit bezahlt, läge der Kapitalismus am Boden.“ Maria Magdalena und Lilith sind Dissidentinnen von Anbeginn der Menschheitsgeschichte – in Esslingen wurde ihnen eine längst fällige Stimme gegeben.“, Stuttgarter Zeitung

„Am Anfang war das Wort. Und Gott schuf Adam und für Adam Lilith, die aber nicht so wollte, wie es der Mann forderte. Deshalb entstand aus Adams Rippe Eva. Seitdem ist die Frau dem Manne untertan – und Lilith aus dem Bewusstsein verschwunden. Und da die Texte der Bibel von Männern kreiert wurden, werden Frauen, die sich nicht dem Männergehorsam unterwerfen, zu Huren gemacht. Sehr geschickt montiert die moldawische Autorin und Regisseurin Nicoleta Esinencu in „Das Evangelium nach Maria“ und „Die Apokalypse nach Lilith“ die bekannte Geschichte der Maria Magdalena mit der unbekannten ersten Frau Adams zu dem Übertitel „Who run the world“. Esinencu macht das auf sehr eigensinnige Weise, sie verbindet Geschichten heutiger Frauen mit einer feministischen Umwertung der männlichen Machtvorstellung in weibliche Forderungen. Das klingt nach simpler Überschreibung, wenn allmählich aus dem „Vater unser“ eine „Mutter unser“ geformt wird. Aber so einfach macht es sich die Autorin nicht. Sie hat sehr genau die Sprache der Bibel studiert, aber auch die der Liturgie, die mit ihren Wiederholungen ritualhaft die Gemeinde auf die Glaubenssätze einschwört Und noch eines, die Sprache überzeugt durch ihre poetische Kraft. Den ersten Teil, „Das Evangelium nach Maria“ inszeniert die Autorin mit ihrem Theaterkollektiv, dem independent „teatru spalatorie“ selbst in rumänischer Sprache (mit deutschen Untertiteln), wobei man sich schnell in die Originalsprache einhört. In einem schwarzen Raum, den Maike Storf entworfen hat, stehen nur zwei Pulte, beleuchtet wird dieser Raum allein durch eine Reihe von Glühbirnen, die sehr hell werden lassen, aber doch meistens den Raum in einem Halbdunkel lässt. Die Performerinnen Doriana Talmazan und Kira Semionov, die beide gleich in Schwarz gekleidet sind (Kostüme ebenfalls Maike Storf) treten auf und befestigen an ihrem Körper kleine „Sonden“, die die Herztöne hörbar machen, zugleich aber intensive elektronisch verstärkte „Bodypercussion“ ermöglichen, die der Aufführung einen ganz eigenen Sound geben und sie strukturieren. Zwischen den einzelnen „Gleichnissen“, wie die Autorin die einzelnen biographischen Geschichten nennt, welche die Gewalt vorführen, die Frauen angetan wird, entwickelt Talmazan jeweils den Grundsound für die Szene. Zu diesem bewegt sich auch das Licht der Glühlampen nicht nur in Hell- und Dunkeleinstellungen, sondern auch in der Bewegung. Die beiden Performer stehen zumeist an ihrem Pult im bläulichen Schein der Leselampe. Aber gerade in dieser Statik zeigt Talmazan hohe Schauspielkunst. „Die Apokalypse nach Lilith“ hat ebenfalls Nicoleta Esinencu geschrieben, aber Marie Bues mit dem Performer Niko Eleftheriadis und der Israelin Sivan Ben Yishai führt nun Regie. Der Raum wirkt jetzt hell, in der Mitte steht auf Podien ein Gerüst, das an orientalische Architektur erinnert, nach hinten abgeschlossen durch einen Glitzerstreifenvorhang. Zunächst aber tritt ein Chor auf, die „Liederlust Mettingen“, der „I need a hero“ mehrstimmig vorträgt, bevor Eleftheriadis emotional sich immer stärker in seine Geschichte verstrickt, während Yishai lächelnd aus einer großen Ruhe heraus agiert. Die „Gleichnisse“ sind in diesem Teil Geschichten, die per Video eingespielt werden. Am Ende dann, als beide sich in großen Plastiksäcken bewegen und der Chor auftritt, entwickelt sich eine babylonische Kakophonie von gewaltiger Sprachkraft und starker visueller Wirkung. Was hier verhandelt wird, ist die Infragestellung der Beziehung von Mann und Frau und schließlich jeglicher Geschlechtszuschreibung. Ein spannender dreistündiger grandioser Abend, der nachdenklich macht.“, Die Deutsche Bühne