Und alle Tiere rufen, Kunstfest Weimar
Die verschwundenen Tiere dieser Welt melden sich zu Wort. Es erklingt ein vielstimmiger Abgesang an die Fauna und die Menschheit: ein Requiem-Manifesto. Sie sprechen vom Aussterben und von Erinnerungen »an zukünfte, die noch überhaupt nicht existiert haben — erinnerungen an leben und existenzen, die nie werden gelebt worden sein«.Das Manifest versucht, sich loszulösen von den tagesaktuellen Diskursen, vom bloßen Ist-Zustand, es versucht, das Wirtschaftssystem hinter sich zu lassen und wieder aufs große Ganze zu schauen — denn ist nicht auch die Menschheit nur eine Art auf dieser Welt? Thomas Köck, der zweifache Gewinner des MÜLHEIMER DRAMATIKERPREISES, reflektiert in seinem neuen Stück einen anderen Begriff von Zeit(lichkeit), von Verantwortlichkeit. Denn gerade europäische Kolonialinteressen waren wesentliche Faktoren in der Geschichte des Artensterbens. Vielleicht könnte die Frage wie wir eine Zukunft für Generationen nach uns gestalten zu einem anderen Umgang mit Ressourcen führen, als die bloße Orientierung am Hier und Jetzt. Oder steht die Erde letzten Endes besser da, wenn die Art Mensch auch ausgestorben sein wird? Marie Bues, die bereits beim KUNSTFEST 2020 auf der ALTEN FEUERWACHE WEIMAR inszenierte, hat schon vielfach Texte von Thomas Köck uraufgeführt. In ihren Regiearbeiten beschäftigt sie sich konsequent mit neuer Dramatik und arbeitet eng mit den Autor*innen zusammen. Gemeinsam mit Anouschka Trocker entwickelt sie aus der Vorlage ein Live-Hörspiel. Astrid Meyerfeldt, die 2020 als beste Darstellerin mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet wurde, Sarah Sophia Meyer und Nico Link, beide Ensemblemitglieder des SCHAUSPIELHAUS GRAZ, und Janus Torp aus dem Ensemble des DNT lassen das Requiem-Manifesto der ausgestorbenen Arten erklingen.
Regie: Marie Bues, Hörspielregie: Anouschka Trocker, Bühne: Frank Holldack, Dramaturgie: Marlies Kink, Regieassistenz: Luise Heiderhoff
Mit: Astrid Meyerfeldt, Sarah Sophia Meyer, Nico Link, Janus Torp
Eine Koproduktion mit Deutschlandfunkkultur
Mit freundlicher Unterstützung von Deutsches Nationaltheater Weimar, Schauspielhaus Graz
Zur Website von Kunstfest Weimar
Premiere am 28.8.21, Kunstfest Weimar
Live Hörspiel auf Deutschlandfunkkultur am 29.8.
Weitere Vorstellungen: 29.9./5.,6.9.21, im Frühjahr /Sommer am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Graz
Presse:
Link auf Nachtkritik
“Regisseurin Marie Bues sieht es wohl als vergebliche Liebesmühe, diese Endlosschleife der Anklage mit Action sinnlich zu bebildern – sieht man von einem miauenden imaginären Kätzchen ab, das von einer der Schauspielerinnen gesucht, gefunden und gefüttert wird. Ansonsten wohnt das Publikum der Aufnahme einer Hörfassung des Stücks bei. Deutschlandfunk Kultur ist Koproduzent und Anouschka Trocker zeichnet für Hörspielregie verantwortlich.
An vier Mikrophonen sind in wechselnder Besetzung Astrid Meyerfeldt, Sarah Sophia Meyer, Nico Link und Janus Torp zugange, ihre Manuskriptseiten abzuarbeiten. Klingt fad. Aber gerade in der sprachlichen Umsetzung des Köck-Textes läuft die Chose zu einem brillanten Hör-Erlebnis auf. Die Sprechkompetenz der beiden Frauen und zwei Männern und die Regie lassen Köcks Sprachgewitter, seine intelligenten Worterfindungen leuchten. Hier wird der „sound of extinction“ mit Glanz und Gloria, Trauer und Zorn zelebriert. Große Sprachoper. Der Text wird zu einem gewaltigen, farbenprächtigen Bildtableau im Kopf, zum Weltuntergangstheater barocker Überwältigungskraft.“
English version:
Polyphonic requiem manifesto of the extinct species
The extinct species of the world speak out. A polyphonic swansong to fauna and humanity, a requiem manifesto. The animals lament their extinction and recall their memories “of futures that are doomed to never exist — memories of lives that will never have been lived”. The manifesto tries to move away from the current debates and status quo, it attempts to leave the economic system behind and instead look at the bigger picture — ultimately, isn’t humanity just one of many species in the world?
In his new play, Thomas Köck, the two-time winner of the MÜLHEIMER DRAMATIKERPREIS (MÜLHEIM DRAMATISTS’ AWARD), considers how we could change the way we look at time and temporality, at our responsibility. Perhaps by rethinking how we consume resources and our environment and, instead of only considering if we’re going to be fine tomorrow or the day after, we need to focus on how the future may look for generations to come. Or would the earth ultimately be better off if the human species became extinct?
Marie Bues, who directed a play at KUNSTFEST 2020 at the ALTE FEUERWACHE WEIMAR, has already premiered many works written by Thomas Köck. Her directing work concentrates on contemporary writing and she works closely with the playwrights. In collaboration with Anouschka Trocker, she is creating a live audio play of the piece. Astrid Meyerfeldt, who was awarded the German theatre prize DER FAUST in 2020 for best actress, Sarah Sophia Meyer and Nico Link, both ensemble members of SCHAUSPIELHAUS GRAZ, and Janus Torp, member of the ensemble at the DEUTSCHE NATIONALTHEATER UND STAATSKAPELLE WEIMAR, will bring the requiem manifesto of animals to life.







