Die Hölle ist auch nur eine Sauna

“Die Hölle ist auch nur eine Sauna” von Katja Brunner

Uraufführung, Premiere am Theater Rampe Stuttgart: 8.10.14

Regie: Marie Bues
Ausstattung: Indra Nauck
Musik: Kat Kaufmann
Dramaturgie: Martina Grohmann
Licht: Joscha Eckert

Mit: Niko Eleftheriadis, Janine Kreß, Emma Rönnebeck, Evamaria Salcher

http://vimeo.com/108351193

Ein Universaldorf spekuliert wild. Es ist eine mittelgroße Stadt und könnte überall im deutschsprachigen Gebiet sein. Hier ist soweit alles in Ordnung, um mögliche Irritationen sorgen sich entsprechende Einrichtungen: Familie, Schule, Krankenhaus oder auch die Nachbarschaft.

Wie alles angefangen hat und wohin es führt, warum die Schlange Adam und Eva den verbotenen Apfel schenkte, was Pocahontas durch ihre Liaison mit Captain Smith der Welt antat, wie Mädchen schon im alten Rom zugerichtet waren, wenn sie nicht Vestalin wurden, dazu haben die Universaldörfler jede Menge zu sagen. Die Geburt schleudert den Menschen eben als Mann oder Frau ins Leben und das verläuft dann entsprechend. Daneben spielen Faktoren wie Herkunft und soziale Lage eine Rolle.

Wovon das Dorf aber nichts weiß, das lauert unterirdisch: „Die da unten“ hat ihr Vater im Keller gut aufgehoben, setzt mit der Tochter ein Kind nach dem anderen in die Welt. 12 sind es schon. Bei Nummer 13 beschließt „die da unten“ aber Schluss zu machen mit dem Kampf unter den Geschlechtern. Noch vor der Geburt, gibt sie dem Kind den Auftrag, kein Geschlecht anzunehmen, einen Helm aufzusetzen und neutral zwischen den Fronten durch das Leben zu gehen. Das zerbeulte Hermi, ein Hermaphrodit, verlässt also mit seinem Schutzhelm das Kellerverlies und wird ins Abenteuer Universaldorf geschickt.

Die Sprache richtet die Sprache hin – „Scheiterhaufen für unbedarfte Eigenproduktion“, für Heteronormativität und strukturelle Gewalt. Ein frivol-ironisches Kampftraining, subversive Gedankengymnastik für die Unbetrauerbaren, Nicht-Existenten unter uns.

2012 war DIE HÖLLE IST AUCH NUR EINE SAUNA beim Heidelberger Stückemarkt nominiert. 2013 wurde Katja Brunner mit dem Dramatikerpreis der Mühlheimer Theatertage ausgezeichnet.

Presse:

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=10093:2014-10-09-06-30-23&catid=38:die-nachtkritik&Itemid=40#rundschau

Bei Katja Brunner herrsche ein Witz vor, „der die Ernsthaftigkeit der Thematik zwar nicht unterschlägt, sie aber – jedenfalls im Theater – mit Groteske, Distanz und selbstbewusster Gelassenheit abhandelt“, so Thomas Rothschild in der Stuttgarter Zeitung (10.10.2014). Dass Marie Bues‘ Abend „nicht nur sprachlich mit seiner das Verständnis nicht immer erleichternden poetischen Metaphorik, sondern auch visuell vergnüglich ist“, verdanke sich „dem nach postdramatischem Muster meist frontal zum Publikum sprechenden Frauentrio“. Die drei würden von der Regie „zu ausdauernder, aber differenzierter gestischer und mimischer Anstrengung bis an die Grenze des Outrierens angehalten, ohne diese jedoch zu überschreiten.“ Hiermit bleibe das Theater Rame „auf Erfolgskurs“.

Der Stoff fordere Regisseurin und Schauspieler, biete „weder klare Regieanweisungen noch Zuordnungen für Gesprochenes“, beschreibt Cornelius Oettle für die Stuttgarter Nachrichten (10.10.2014). „Herausragend“ reiße Emma Rönnebeck das Stück an sich. Es fehle eine „klare Handlung, die durchaus geistreichen Verse stecken in einem Korsett aus Stroboskop, Bass, Standbild und Klamauk“ – auf der „Schneide zwischen Provokation und Lächerlichkeit“. „Alles im Rahmen, durchaus lustig.“ Momentweise springe die Inszenierung aber auch „über eine schmerzende, bedenkliche Grenze. Theater soll genau das.“