9/11 Frames Per Second, Wiener Festwochen/Schauspielhaus
25 Jahre nach dem Terroranschlag von Al-Qaida auf die Twin Towers in New York reflektieren internationale Künstler:innen an einem multiperspektivischen Abend die Spätfolgen von 9/11 in vier kurzen Bühnenstücken zwischen Videokunst, Lecture-Performance, Schauspiel und Rap-Oper.
Der 11. September 2001 erzeugte eine Atmosphäre der Angst, die den meisten weißen US-Amerikaner: innen bis dato unbekannt war. Diese kontrastieren Autorin Claudia Rankine und Filmkünstler:in Bateira in Are you afraid yet? mit realen Ängsten vor Rassismus, willkürlicher Verhaftung oder Abschiebung durch ICE, denen große Teile der US-Bevölkerung bis heute ausgesetzt sind. Gefolgt wird der erste Teil von zunächst beiläufig erscheinenden Alltagsszenen aus Berlin und Ostjerusalem. In Wir setzen Sie hiermit in Kenntnis (Der Moment zuvor erinnert sich) fragen die Autor:innen Sivan Ben Yishai, Eyal Raz und Regisseurin Marie Bues nach den politischen Handlungsmöglichkeiten zwischen polemischem Diskurs in Europa und dem tatsächlichen Blutvergießen im Nahen Osten inmitten von Besatzung und Gewalt.
Nach der Pause geht es unheimlich weiter: Ozan Zakariya Keskinkılıç legt mit Queer Dschihadi sein erstes Theaterstück vor; der Regisseur Rodrigo Batista inszeniert den Text als Body-Horrortrip über queeres Begehren. Zum musikalischen Abschluss des Abends zerlegen Myassa Kraitt und Dilan Şengül in ihrer Rap-Oper bekannte Erzählungen über Terror. Mit beißendem Humor begibt sich A Terror Teaching Bitch auf die Suche nach historischen Vorlagen westlicher Terror-Mythen.
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Projekt 2:
Wir setzen Sie hiermit in Kenntnis (Der Moment zuvor erinnert sich)
Uraufführung von Sivan Ben Yishai und Eyal Raz, übersetzt von Maren Kames
Ins weite Feld zwischen dem verbalen Schlachthof des deutschsprachigen Diskurses und dem tatsächlichen Blutvergießen im Nahen Osten setzen Sivan Ben Yishai und Eyal Raz vermeintlich kleine Schlaglichter: eine hochrangige Politikerin lädt zu einem Austausch mit Künstler:innen und Intellektuellen in ihre Räumlichkeiten; drei Freund:innen unterhalten sich in einer Bar in Berlin; in Ostjerusalem wird eine Familie gewaltsam ihres Hauses verwiesen. Wenn ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, fällt es schwer, über die Bedrohung einer Zwangsräumung individueller Wohnräume zu sprechen. Oder vielleicht: Wenn im Stillen verteilte Schläge zur Norm werden, ist irgendwann nur noch die lauteste aller Katastrophen zu hören. Diese Geschichte wird erzählt von einem zahnlosen Mund. Es geht um Kämpfe, die sich ihrer eigenen Niederlagen erinnern. Und – im Hintergrund – um eine Einladung, die vielleicht erst jetzt wirklich angenommen wird.
Mit Iris Becher, Sivan Ben Yishai, Shabnam Chamani, Niko Eleftheriadis, Kaspar Locher, Sophia Löffler
Text Sivan Ben Yishai, Eyal Raz
Regie Marie Bues
Video Avishay Mohar
Musik Johannes Frick
Dramaturgie Martina Grohmann, Mazlum Nergiz
Regieassistenz, Abendregie Marina Margo
Presse (Nachtkritik)
Presse (Der Standard)
„Das Festwochenpublikum bekam insgesamt einen lauten, kurzweiligen, mitunter aber auch etwas plakativen Abend präsentiert“, berichtet Ö1 (3.6.2026) im „Kulturjournal“.


















